Zurück

Benedikt Markt

Schwimmlehrer bei Nessy

BM

Ertrinken sieht anders aus als im Film – daran erkennst du eine Notlage im Wasser

Im Film ist eine Notlage im Wasser gut zu erkennen: Der Betroffene ruft, schlägt um sich, wedelt mit den Armen. In Wirklichkeit passiert davon meistens nichts. Ertrinken läuft still ab, und es dauert oft nur eine knappe Minute. Das ist kein Grund, das Schwimmbad zu meiden – aber ein guter Grund zu wissen, worauf man achtet. Hier die Anzeichen, die Rettungsschwimmer gelernt haben.


Warum im Wasser niemand um Hilfe ruft

Es gibt eine körperliche Erklärung dafür, und sie ist erstaunlich einfach: Atmen hat Vorrang vor Sprechen. Wer nur noch für Sekundenbruchteile mit dem Mund über der Wasseroberfläche ist, nutzt diese Zeit zum Einatmen. Für einen Ruf bleibt schlicht keine Luft übrig.

Für die Arme gilt Ähnliches. Wer im Wasser absinkt, drückt die Arme instinktiv seitlich nach unten, um den Körper nach oben zu schieben. Diese Bewegung läuft automatisch ab und lässt sich nicht willentlich unterdrücken. Winken ist dadurch nicht möglich – ebenso wenig wie das Greifen nach einer Stange oder einem Ring.

Deshalb gilt: Wer ruft und winkt, ist noch nicht am Ertrinken. Das ist die Vorstufe, und sie ist gut, weil man sie bemerkt. Das eigentliche Ertrinken ist der leise Teil danach.


Daran erkennst du eine Notlage

  • Der Kopf liegt tief im Wasser, der Mund direkt auf Höhe der Wasseroberfläche

  • Der Kopf ist nach hinten geneigt, der Mund steht offen

  • Der Blick wirkt leer und ohne Fokus – oder die Augen sind geschlossen

  • Haare hängen über Stirn oder Augen, ohne dass sie weggestrichen werden

  • Der Körper steht senkrecht im Wasser, die Beine treten nicht

  • Die Bewegung sieht aus, als würde jemand eine unsichtbare Leiter hochsteigen

  • Das Kind schwimmt scheinbar, kommt aber nicht von der Stelle

  • Es ist auffällig still

Der letzte Punkt ist der wichtigste – und der, der am häufigsten übersehen wird. Ein Kind, das lärmt, atmet. Auffällig wird ein Kind, das plötzlich ruhig ist.


Bei kleinen Kindern sieht es noch anders aus

Kleinkinder kämpfen oft gar nicht. Ihr Kopf ist im Verhältnis zum Körper schwer, entsprechend anders verteilt sich das Gewicht – sie gehen eher senkrecht unter, ohne vorherige Bewegung an der Oberfläche. Dazu kommt: Für kleine Kinder reicht bereits sehr flaches Wasser. Planschbecken, Regentonne und Eimer gehören genauso zur Aufsicht wie das Schwimmbad.


Was das praktisch bedeutet

  • Sichtkontakt statt Hörkontakt: Solange man Kinder hört, ist alles in Ordnung – dieser Reflex ist an Land richtig und im Wasser falsch. Ruhe ist im Wasser kein gutes Zeichen, sondern eins, bei dem man hinsieht.

  • Aufsicht namentlich vergeben: „Wir passen alle auf“ heißt in der Praxis oft, dass niemand durchgehend hinschaut. Besser ist eine klare Absprache: Wer schaut jetzt, und wer löst wann ab?

  • In Armlänge bleiben: Bei Kindern, die noch nicht sicher schwimmen, ist das die einzige Entfernung, aus der man rechtzeitig reagieren kann.

  • Handy weg: Ein Blick aufs Display dauert länger, als man denkt – und deckt sich ziemlich genau mit der Zeitspanne, in der eine Notlage entsteht.

  • Bewachte Bereiche bevorzugen: Aufsichtspersonal ist genau darauf trainiert, diese stillen Zeichen zu erkennen.


Nicht verwechseln: das sogenannte „sekundäre Ertrinken“

Rund um das Thema kursiert regelmäßig der Begriff „sekundäres Ertrinken“ – also die Vorstellung, ein Kind könne Stunden nach dem Baden noch daran sterben, Wasser geschluckt zu haben. Das ist etwas anderes als das, worum es hier geht, und die Sache ist weniger dramatisch, als sie in vielen Beiträgen klingt. Wir haben sie hier eingeordnet: „Sekundäres Ertrinken“ – was steckt wirklich hinter dem Begriff?


Der richtige Umgang mit dem Thema

Nach Angaben der DLRG sind im Jahr 2025 in Deutschland mindestens 393 Menschen ertrunken – die meisten davon in Flüssen und Seen, kaum jemand in beaufsichtigten Bädern. Das ist einerseits eine ernste Zahl, andererseits eine gute Nachricht: Wo jemand hinschaut, passiert selten etwas.

Deshalb ist das hier kein Text, der Angst machen soll. Kinder sollen ins Wasser – möglichst früh und möglichst oft. Es geht nur darum, wonach man schaut, wenn man schaut. Und langfristig gibt es ohnehin nur einen echten Schutz: sicher schwimmen können.


Das Wichtigste in Kürze

  • Ertrinken ist still: kein Rufen, kein Winken, kein Um-sich-Schlagen.

  • Wer ruft und winkt, ist noch in der Vorstufe – das ist der Moment zum Reagieren.

  • Typische Zeichen: Kopf tief im Wasser, Mund auf Wasserhöhe, senkrechte Haltung, leerer Blick, keine Beinbewegung.

  • Kleine Kinder sinken oft einfach ab – schon flaches Wasser genügt.

  • Merksatz für die Aufsicht: Im Wasser ist Stille kein gutes Zeichen.

Häufig gestellte Fragen

Benedikt Markt

Schwimmlehrer bei Nessy

Nach meiner Zeit in Schwimmvereinen habe ich bei der Schwimmschule Nessy meinen Platz gefunden und kann seit dem mein Wissen weitergeben und Kindern das Schwimmen beibringen.

Veröffentlicht: 26.08.2026

Zuletzt bearbeitet: 16.08.2026

BM
Zurück